30. März 2010, Aargauer Zeitung

Grafiker malt mit Alphabet

Der Aargauer Grafiker Otto Kohler experimentiert mit Schriften. Seine so entstandenen Werke stellt er im Gutenberg Museum in Freiburg aus.

Die Schrift ist für Otto Kohler nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern ein Motor, um damit Neues zu schaffen. Er entwickelt sie zur Kunst und malt damit Bilder. Es ist der jahrtausendealte Reichtum der Schriften, aus dem Kohler die Inspiration für seine Werke nimmt.
Auf zahlreichen Reisen beobachtete er die Eigenheiten von Presse, Werbung und Literatur. Kohler fiel beispielsweise auf, dass in der holländischen Sprache die Buchstaben anders angeordnet sind als im Deutschen. Dort gibt es oft doppelte Vokale, besonders häufig die Kombination «ij». Noch stärker faszinierte ihn allerdings die fremden Alphabete. Er reiste in den arabischen Sprachraum, nach Indien und Japan und lernte deren Schrift kennen.
In seinen Bildern greift er Elemente der verschiedenen Alphabete auf und gestaltet sie zu einem neuen Werk. Anfangs malte er noch mit Pinsel auf Papier, später setzte er sich vermehrt an den Computer. Heute mischt Kohler die Techniken, malt auf Holz oder Karton und traut sich, mit den Collagen und Fotografien zu arbeiten,
wobei er immer wieder grossflächig mit dem Pinsel darübergeht.
BEVOR SICH KOHLER als Grafiker und Künstler selbstständig machte, arbeitete er für verschiedene Zeitungen, unter anderem für das «Bieler Tagblatt», die «Schweizer Illustrierte» und die «Neue Luzerner Zeitung». Geboren ist er 1948 in Tavannes in der Nähe von Biel. Heute lebt er im aargauischen Ammerswil und pflegt neben seiner Arbeit als Grafiker vermehrt seine Leidenschaft für die Kunst.
Im Gutenberg Museum in Freiburg präsentiert er seine neusten Werke zusammen mit einer Auswahl aus seinem früheren Schaffen.

KÜNSTLER UND GRAFIKER Otto Kohler ist von Schriften fasziniert.

Dabei wird die Entwicklung in seinen Werken sichtbar, wobei der Ursprung als Grafiker auch in den experimentellen Bildern immer erkennbar bleibt. Während ihn in den früheren Jahren vor allem die fremden Alphabete faszinierten, entdeckte Kohler erst vor kurzem alte Dokumente aus der Schweiz und Grossbritannien. Als er diese auf seinem Computer vergrösserte, wurde ihm klar, dass er sich in den nächsten Arbeiten hauptsächlich diesen Buchstaben widmen würde.

alphabet Gutenberg Museum in Freiburg.
Ausstellung bis 13. 6. 2010.
www.gutenbergmuseum.ch