3. Mai 2001 - Aargauer Zeitung, (MR)
Pendler zwischen verschiedenen Welten
Lenzburg: Bilderausstellung von Otto Kohler in der Cafeteria Gleis 1
Hell und freundlich präsentiert sich die neue Cafeteria im renovierten Gebäude «Gleis 1» hinter dem Bahnhof. Als Untermieter dieses grosszügig konzipierten Raumes zeichnet mit losen kulturellen Veranstaltungen der kürzlich aus der Taufe gehobene Zirkel «Bühne Gleis 1». Zur Ur-Vernissage in den neuen Gebäuden konnte Andreas Merz aus Niederlenz, einer der Mitinitianten der neugegründeten Kulturgruppe, einen Freund aus alten Zeiten an der
Kunstgewerbeschule Biel begrüssen, nämlich den Künstler Otto Kohler aus Ammerswil. Unlängst hat der in der ganzen Schweiz tätige Illustrator einen attraktiven Wohnort an einer
Eisenbahn-Hauptverbindungsstrecke gesucht, ist dabei auf das kleine Dorf bei Lenzburg gestossen und dort als zufriedener Bewohner «hängengeblieben».
Von der mehr oder weniger zufälligen Begegnung der beiden Schulkollegen nach langen Jahren profitiert nun die «Bühne Gleis 1», welche dem Künstler eine geeignete Plattform für seine Ausstellung unter dem Thema «Welten» zur Verfügung stellt. Das will aber gar nicht heissen, dass der liebenswürdige Künstler aus der Romandie - «Cholere» nennt er sich und sieht doch gar nicht wütend aus - auf das Bekanntmachen seiner Person angewiesen ist. Als Zeichner und Cartoonist kennt man den Künstler nämlich schon lange, sei dies von Illustrationen aus «Cash», der «Schweizer Illustrierten» oder anderen bekannten Presseerzeugnissen.
Menschen, Antlitze, Gesichter
Als Pendant zum kommerziellen Brotberuf malt der viel beschäftigte Künstler aus Ammerswil in seiner Freizeit fantasievolle Bilder, hält Impressionen aus fernen Ländern, aus Asien, Indien, Ägypten, Kanada, in faszinierenden, bunten Acrylbildern auf Blache und Papier bildlich fest, den Ursprung seines grafischen Schaffens in keiner Weise verleugnend. Mit «Reggae à la Guadeloupe», «Eternite» oder «Hanoi» sind die aussagekräftigen Bilder etwa untertitelt. Es sind Menschen, Gesichter, Antlitze, welche den Künstler auf magische Weise inspirieren. Fast glaubt man, in den knalligen, farblich dennoch harmonischen Gemälden, welche mit wunderschönen Begleittexten und Aphorismen versehen sind, eine geheimnisvolle Musik aus fernen Welten zu vernehmen. Offensichtliche Quelle der künstlerischen Tätigkeit, wie dies auch in den neusten Bildern zum Ausdruck kommt, ist zum grossen Teil die japanische Kalligraphie.
Öffnungszeiten: Die Ausstellung in der Cafeteria Gleis 1 ist geöffnet von Montag bis Freitag
zwischen 9 und 20 Uhr. Finissage: Samstag, 2. Juni, ab 15 Uhr.